VHS-Vortrag: Was passiert in unserem Gehirn?

Fünf plus sieben? – Ungefähr dreizehn oder genau zwölf? So lautet der Titel des Vortrags von Prof. Dr. K. Willmes-von Hinkeldey; Professor für Neurobiologie der Medizinischen Fakultät der RWTH.

Neben Lesen und Schreiben sind das Rechnen und der Umgang mit Zahlen die wichtigsten Kulturtechniken, deren Beherrschen bedeutsame Voraussetzungen für das berufliche Vorankommen.  Es gibt sogar Schätzungen, dass Probleme im Umgang mit Zahlen und im Rechnen noch teuer für entwickelte Volkswirtschaften sind als Probleme mit dem Lesen und Schreiben.

In einer kurzen Einführung wird erläutert, dass Zahlsysteme eigenständige Zeichensysteme sind, die sich von der Verarbeitung von Sprache unterscheiden. Neben diesen symbolischen Systemen gibt es aber auch entwicklungsgeschichtlich alte Systeme bei Tieren und Menschen zur Abschätzung von kleinen und von größeren Anzahlen von Objekten in der Welt. Letzteres System (der sog. „mentale Zahlenstrahl“) arbeitet mit zunehmender Anzahl von Objekten immer ungenauer wie das auch für das Einschätzen von Gewichten, Lautstärken, Helligkeiten, Entfernungen der Fall ist. Dieses System ist schon beim Säugling vorhanden und wird in der Entwicklung bis zum Vorschulalter dann durch das sprachlich vermittelte exakte System zum Zählen ergänzt. Mit Hilfe moderner bildgebender Verfahren der Neurowissenschaften (z.B. funktionelle Magnetresonanztomographie. fMRT) kann man zeigen, welche Hirnregionen bei der Verarbeitung von  nichtsymbolischen und von symbolischen Anzahlen sowie beim Rechnen in den Grundrechenarten (Arithmetik) beteiligt sind.  Diese überlappen nur teilweise mit Hirnregionen, die für die Sprachverarbeitung relevant sind.

Aufgrund von Entwicklungsbeeinträchtigungen des Gehirns oder nach erworbenen Hirnschädigungen – wie einem Schlaganfall, einer Hirnblutung, einem Unfall- oder einer degenerativen Hirnerkrankung können nun, je nach Art, Ort und Größe der Hirnschädigung unterschiedliche Störungen in diesem approximativen System oder bei der exakten numerischen Größenverarbeitung beim Rechnen entstehen- Der Titel des Vortrags deutet das an. Ein berühmter Fall in der neuropsychologischen Fachliteratur ist ein 61-jähriger Arzt, der nach Hirnblutung bei der Kopfrechenaufgabe „fünf plus sieben“  nach langem Überlegen und Zögern „ungefähr dreizehn“ sagte, wobei man als gesunder Mensch schnell und sicher die richtige exakte Lösung angeben kann.

Selbst die vier Grundrechenarten unterscheiden sich  deutlich darin, wie stark sie sich auf sprachlich vermitteltes Wissen stützen: kleines 1x1 (Multiplizieren) stark, Subtrahieren wenig. Weiterhin werden mit der fMRT gewonnene Erkenntnisse aus der Arbeitsgruppe von Prof. Willmes vorgestellt, die zeigen, dass je nach Komplexität selbst derselben  Aufgabenstellung unterschiedliche Netzwerke von Hirnregionen und deren Faserverbindungen in unterschiedlichem Ausmaß beteiligt sind.

Infos zur Vortragsperson:  Klauss Willmes-von Hinkeldey; pensionierter Professor für Neuropsychologie an der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen mit Diplomen in Mathematik und in Psychologie; neben Forschung und Lehre auch regelmäßig neuropsychologische Diagnostik vorwiegend bei Schlaganfallpatienten mit Problemen in der Zahlenverarbeitung und im Rechnen.

Der Vortrag findet statt am:

Freitag, 13.10.2017 von 18.00-19.30h

im Seniorenzentrum Itertalklinik; Rathausplatz 3-13; Simmerath

Barrierefreier Eingang, der Vortrag ist kostenlos

Voranmeldung unter Tel.-Nr. 02472/5656 oder per email unter vhs-suedkreis-ac@t-online.de

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