"Alles in Butter - Die 50er Jahre in Lammersdorf" - Rückblick auf das Literaturcafé

„Endlich sind die Jahre der Entbehrung und der Not, die durch den verheerenden 2. Weltkrieg verursacht wurden, vorüber. Auch im beschaulichen Eifelort Lammersdorf lässt sich der Fortschritt nicht aufhalten. Jeder versucht nach besten Kräften, am allgemeinen Aufschwung teilzunehmen. Wenn einer fragt, wie’s denn so geht, gibt es oft nur eine Antwort: ‚Alles in Butter!‘

H. Jürgen Siebertz liest aus seinem Buch "Alles in Butter".

Ein bislang kaum bekannter Werkstoff revolutioniert die Haushalte: der ‚Kunststoff‘. Vieles, was schwergewichtig oder zerbrechlich ist, wird gegen das neue, scheinbar ewig haltbare Material ausgetauscht. Jetzt werden auch die letzten irdenen ‚Kappesjrüle‘ in die zu Müllhalden degradierten Bunker gefahren. Das enge Dorf öffnet sich den Neuerungen einer Zeit, die man später als die ‚Goldenen Fünfziger‘ bezeichnen wird. Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Die Entdeckung der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten, lässt Vieles, was über Jahrhunderte Bestand hatte, als unmodern und überflüssig zurück. Ein neues Wort macht die Runde: ‚pflegeleicht‘.“

So beschreibt Hans-Jürgen Siebertz in seinem Buch „Alles in Butter“ - die 50er Jahre in Lammersdorf“, das er im Literaturcafé der Gemeindebücherei Simmerath vorstellte, die neue Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Dabei steht „sein“ Dorf exemplarisch für viele Dörfer des Monschauer Landes allgemein. Als aufmerksamer, fast pedantischer Chronist verknüpft Hans-Jürgen Siebertz das deutsche und das Weltgeschehen mit den Umbrüchen in der Eifel. Auch hier hörte man die angesagten Schlager, sah die populären Kino-Filme, redete man politisch mit.

 

Besonders eindrucksvoll sind die Schilderungen über Lammersdorfer „Originale“ wie etwa den Bahnangestellten Peter Koll, von allen nur gemäß seinem Lieblingstrinkspruch, dessen französische Bedeutung (Ich weiß nicht) ihm womöglich nie bewusst war, „Schenesepa“ genannt. An Alois Mertens („Pettisch Alois“) erinnert man sich noch lebhaft: Karnevalsprinz, Schützenkönig, „Fringser“ mit kirchlichem Beistand, in dessen Frisörsalon man den „Internationalen Frühschoppen“ hätte abhalten können, was schließlich dazu führte, dass er tatsächlich Bürgermeister und schließlich Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande wurde. 

Was Hans-Jürgen Siebertz im Laufe von Jahrzehnten als Heimatforscher an Informationen, Erinnerungen, Lebensbildern zusammengetragen und formuliert hat, ist schon als das Gedächtnis des Monschauer Landes zu bezeichnen. Ohne ihn wüsste man Vieles nicht, verstände man die Zusammenhänge nicht, geriete so Manches in Vergessenheit. Und auch nach elf Büchern macht er nicht Schluss, drei neue hat er aktuell in Arbeit; u.a. seine Autobiografie.

Hans-Jürgen Siebertz freut sich auf die Ehrung, demnächst mit dem „Rheinlandtaler“ ausgezeichnet zu werden, die er als symbolischen Lohn für seine ansonsten ehrenamtliche Arbeit im Dienste der Eifeler Heimatkunde betrachtet.

Nacht der Bibliotheken in der Gemeindebücherei am 10. März 2017

Eine Brücke schwingt sich ... Ein Eifel-Album

„The place to be!“ lautete das Motto der "Nacht der Bibliotheken" 2017, Ein Motto, das Realität in Worte fasst. Schließlich schätzen Besucherinnen und Besucher die Bibliothek längst nicht mehr nur als Ort der Buch-Ausleihe. Bibliotheken sind für viele ein Treffpunkt, den sie nicht mehr missen möchten und wo Texte und Bilder zu erlebbaren Geschichten werden.

Genau aus diesem Grund hatten sich zur „Nacht der Bibliotheken“ rund vierzig Büchereikundige, aber auch Bibliotheksneulinge aufgemacht, um  in der Gemeindebücherei Simmerath dabei zu sein, als noch einmal das Eifel-Album aufgeschlagen wurde, nachdem eine Wiederholung nach der „Uraufführung“ im letzten Jahr vielfach gewünscht worden war. Als Titel trug die Veranstaltung ein Zitat von Clara Viebig: „Eine Brücke schwingt sich, über die jeder gehen muss, der ganz verstehen will, was Eifel heißt.“ Büchereileiterin Rita Plum hatte die Brücke gebaut, eine Brücke zwischen Geschichten, Eindrücken, Anekdoten, Reportagen aus Vergangenheit und Gegenwart, allesamt geschrieben von Eifel-Autoren, und einer Auswahl von faszinierenden Fotos von Personen und Landschaften des Monschauer Landes.

Alle gingen mit über diese Brücke, indem sie heiter Skurrilem, aber auch Nachdenklichem und durchaus Ungewohntem lauschten, das wieder grandios vorgetragen wurde von Thomas J. Lennartz. Er zog alle Register seines sprachlichen und stimmlichen Ausdrucks. Er feierte die Natur und die Einsamkeit auf Ludwig Mathars „Wanderung“ durchs Venn, eröffnete Ernest Hemingways Feuer der Wump Gun vor den Bunkern der Krauts im „Krieg an der Siegfriedlinie“, erschuf Hubert vom Venns  leibhaftigen Harddrückejenesjenfonzeschäng und ließ ihn die „Kulturtage von Widdau“ ausrufen, um nur drei Höhepunkte der Lesung anzuführen.

Das Publikum schmunzelte, als von Jupp Hammerschmidts Klümpchensgläsern der Fastenzeit von früher die Rede war und von der „Tofu-Werdung Christi“ angesichts des Trends zum Vegetarismus von heute. Es litt mit beim brutalen Kriegskampfgeschehen auf den Eifel-Höhen und fand Gefallen an Sätzen wie „In der Dämmerung sahen sie Rehe, die aus dem Wald zum Äsen auf die Lichtung kamen. Sie waren sehr scheu, eins blickte zum Haus hin. Jetzt, wo du da bist, habe ich keine Angst mehr, sagte Magena“ in Norbert Scheuers Geschichte „Wald“.

Bei der Zugabe lachten die Besucherinnen und Besucher herzhaft über einen Eifelindianer, dessen Kopfschmuck in die Mauser gerät. Und immer wieder staunten sie und schwärmten von den Bildern, die die Texte begleiteten, jedes ein Kunstwerk für sich. Weißgetünchte Fachwerkhäuser, die sich hinter Buchenhecken ducken, ein erhobener Zeigefinger gegen menschlichen Größenwahn aus gesprengtem Bunkereisen vor stahlblauem Himmel, alte Menschen in alten Häusern und Werkstätten, beredte Zeugnisse aus schweren Zeiten, in denen jedes Ding seinen Wert hatte und behielt. Und immer wieder stand die Natur im Fokus, fotografisch eingefangen in Baumgemälden, weiten Ausblicken, Miniaturanschichten, Wasserspiegelungen und Kuriositäten am Wegrand von Peter Stollenwerk, der seine journalistische Heimat in der Eifeler Lokalredaktion des Aachener Zeitungsverlags hat und das Monschauer Land seit langer Zeit auf unnachahmliche Weise ins Bild setzt.

Vorlesen - noch besser!

Um es vorweg zu nehmen: ein allgemeingültiges Rezept für die beste Vorlesestunde der Welt hatte Theo Kaufmann auch nicht, aber viele interessante und im übertragenen Sinne geschmackvolle Zutaten. Diese präsentierte er am 28. Januar 2017 während seiner gut sechsstündigen Fortbildung „Vorlesen – noch besser!“ in der Gemeindebücherei Simmerath.


Theo Kaufmann leitet den Verein für Leseförderung im schwäbischen Waiblingen. Um seine Mission und jahrzehntelange Erfahrung mit anderen zu teilen, ist ihm kein Weg zu weit, auch nicht in die Eifel. Und wer reist, hat viel zu erzählen. So berichtete er von seiner Zeit als Grundschullehrer, von seinen zwei unterschiedlich lesehungrigen Söhnen und seinem Engagement in der Leseförderung für Kinder und Jugendliche, aber auch für leseschwache Erwachsene bzw. Menschen mit Migrationshintergrund.

Die durchweg weiblichen Vorleser hatten sich mit unterschiedlichen Erwartungen und verschiedenem Kenntnisstand zur Fortbildung angemeldet. Dabei waren eine Tagesmutter, eine Auszubildende zur Kinderpflegerin, Mütter und Omas sowie Vorlesepatinnen aus Bibliotheken der Region, zwei Büchereileiterinnen und eine Interessentin, die gern dementen Menschen vorlesen möchte. Kaufmann gelang es sehr gut, allen gerecht zu werden.

Nach der Vorstellungsrunde stieg der Referent sogleich ein in die Praxis. Er forderte die Teilnehmerinnen als erstes etwas unsanft heraus mit dem abwechselnden Vorlesen eines unbekannten Textes, in den kleine Rätselbilder eingebaut waren. Damit gab er dem Gefühl der ersten Unsicherheit Raum, vor Publikum zu lesen und dabei gewisse Stolperfallen überwinden zu müssen.

Wie zu erwarten, ging es weiter mit Vorlesen, wobei auf Tempo, Betonung, Vorausschauen geachtet wurde, sowie aufs Ruhebewahren, falls sich ein Versprecher einschlich.

Darüber hinaus wurde das Gelesene mit praktischen Ideen der Weiterführung verknüpft. Dabei war der Fantasie der Teilnehmerinnen keine Grenze gesetzt. Das Bilderbuch-Thema „Behinderung“ führte etwa dazu, dass jeweils eine sehende Vorleserin eine Partnerin mit geschlossenen Augen durch die Büchereiräume führte und umgekehrt, dass das Aufzeichnen eines Stammbaums erwogen wurde nach dem Vorlesen einer Erzählung über ein adoptiertes Kind oder dass ein Indianer-Abenteuer mit dem Basteln von passenden Gegenständen fortgeführt werden könnte.

In einem zweiten Teil standen digitale Leseförderungsprogramme und Online-Plattformen wie „Antolin“ und „Onilo“ im Vordergrund. Diese Internet-Angebote können Vorleser als aktuellste, anspruchsvoll visualisierte Hilfsmittel nutzen, um ihre Vorlesestunden noch attraktiver zu gestalten und insbesondere die neuen Medien aus der Lebenswelt ihrer meist jungen Zuhörer mit einzubeziehen.

Lesen und Vorlesen gehen auch durch den Magen. So gehört in die Vorlese-Aktion „Hör zu – mach mit“ der Simmerather Bücherei als von den Kindern geschätztes Ritual immer eine kleine Pause mit Getränk und Süßem. Der Förderverein der Gemeindebücherei Simmerath griff diesen Aspekt auf und richtete auch während der Fortbildung ein kleines süß-herzhaftes Büffet aus. Am Ende bewerteten zwölf Teilnehmerinnen die Veranstaltung in allen Aspekten als gelungen, kurzweilig und gewinnbringend.

Adventliches Literaturkonzert

Thomas J. Lennartz hatte wieder eine abwechslungsreiche Literaturauswahl im Gepäck, und Hans Fabelje gestaltete seinen musikalischen Part an der Gitarre mit einer feinen Auswahl an internationalen, modernen Stücken.

"Alle Jahre wieder" durfte man schon sagen, denn bereits zum dritten Mal luden Gemeindebücherei und die Freunde fürs Lesen zum Adventlichen Literaturkonzert bei Kaffee, Tee und Gebäck ein.

Thomas J. Lennartz hatte wieder eine abwechslungsreiche Literaturauswahl im Gepäck, und Hans Fabelje gestaltete seinen musikalischen Part an der Gitarre mit einer feinen Auswahl an internationalen, modernen Stücken. Das Eine ergänzte das Andere sehr vergnüglich und ließ das Publikum im besten Wortsinn mitgehen.

Mitgehen bzw. mitschaufeln konnte man etwa in der Geschichte "Ich liebe Schnee!" von Mario Babilon, in der sich die herzerwärmende Schneepracht  Anfang Dezember durch täglich zunehmende kalte Niederschläge bis zum Monatsende geradezu in eine Plage verwandelt. Man machte Bekanntschaft mit Weihnachtswonnenhassern und Familien, die eine vermeintlich "schöne Bescherung" erleben werden, weil Mutter sich über die Feiertage ausklinkt oder weil der Motor des drehbaren Christbaumständers außer Kontrolle gerät und Großmutter das Fest der Feste schließlich mit den Worten verlässt "Gut, dass Großvater das nicht mehr erleben musste."

Im besinnlicheren Teil des Programms kamen skandinavische, aber auch Eifeler Autoren zu Wort.

Im besinnlicheren Teil des Programms kamen skandinavische, aber auch Eifeler Autoren zu Wort. Astrid Lindgren erzählte vom "Weihnachten im Stall" und von Pelle, der über die Feiertage nach  Herzhausen umziehen will, weil er sich von Papa ungerecht behandelt fühlt.

Hervorzuheben ist Fritz Vinckens Erinnerung an ein wahres Weihnachtswunder in seiner  berührenden Erzählung  "Hürtgenwald – Heiligabend 1944". Für diesen einen Abend ordnete seine mutige Mutter einen Waffenstillstand an zwischen einer Handvoll verwundeter, ausgehungerter und halb erfrorener feindlicher Soldaten, teils selbst noch halbe Kinder, die in letzter Hoffnung auf das Licht in ihrem Haus zugelaufen waren. Unter einem Dach fanden sie gemeinsam eine Herberge und trugen am nächsten Morgen einen Funken Weihnachtsfrieden mit in die jeweilige Richtung des Kriegsgeschehens.   

All diesen unterschiedlichen Autoren, Geschichten und Stimmungen gab Thomas J. Lennartz wieder eine überaus passende Stimme. Sein Ton machte genau die Musik, die es braucht, um glaubwürdig zu sein und die Zuhörerinnen und Zuhörer anzurühren. Dass sich Hans Fabeljes Gitarrenspiel in diese Musik besonders harmonisch einfügte, machte den Nachmittag für die beiden Akteure und die Gäste des Literaturcafés zu einem gute Laune verbreitenden Erlebnis, das erwartungsvoll auf Weihnachten einstimmte.

Bundesweiter Vorlesetag in der Gemeindebücherei

Viel Spaß in der "Pippilothek" hatten die Vorschulkinder des Simmerather Familienzentrums Sonnenblume.

Bei Popcorn und Getränken machten es sich die Jungen und Mädchen im Bilderbuchkino der Gemeindebücherei Simmerath zum bundesweiten Vorlesetag so richtig gemütlich. Dort wurde gelesen und gelacht und natürlich auch ein kleines bisschen genascht.

Zum Schluss nahmen sie eine Lesestart-Tasche, inkl. Bilderbuch und Vorlesetipps, als Erinnerung an diesen schönen Tag mit nach Hause.

Bilderbücher für den Gabentisch

Über neue Bücher zu lesen, Bücher auszupacken, gespannt zu sein, wie sie beim Leser ankommen, ist für Bücherleute das ganze Jahr über wie Weihnachten. Wenn dann die Feiertage zum Jahresende wirklich heranrücken, sind Eltern und Großeltern oft ein wenig überfordert, was den Kauf von Kinderbüchern betrifft, die zum Glück immer noch ihren Weg auf den Gabentisch finden. Gerade beim Sortiment für die Kleinen ist die Bandbreite der Titel, Themen und Arten sehr groß. Ein wenig Orientierung kann da nicht schaden, damit man nichts kauft, das hinterher doch nicht gefällt.

Genau diese Orientierung erhielten Interessierte in der Gemeindebücherei Simmerath beim Ratgeberabend „Bilderbücher für den Gabentisch“ mit Miriam Schaps. Denn Miriam Schaps weiß, welche Bücher bei Kindern ankommen. Sie ist Grundschullehrerin und Bloggerin. Ihr Blog „www.geschichtenwolke.wordpress.com“ ist wirklich eine Reise ins Internet wert und eine wahre Fundgrube mit allem, was man rund ums Lesen, Vorlesen und Selberschreiben braucht. Darüber hinaus ist Miriam Schaps Mutter von zwei Söhnen; d.h. alles, was Sie rezensiert und vorstellt, ist bereits erprobt und seitens ihrer Kinder für gut befunden worden.

So erhielt das Publikum wertvolle Tipps, angefangen bei allerersten Bilderbüchern mit reißfesten Seiten oder aus Kunststoff - sogar für die Badewanne - bis hin zu Büchern mit elektronischer Komponente. Darüber hinaus standen Wimmelbücher, personalisierte Bilderbücher, ausgewählte Neuerscheinungen und natürlich Weihnachtsbücher auf der Liste, die die Referentin praktischerweise ausgehändigt hatte und die mit Notizen versehen werden konnte.

Miriam Schaps gestaltete ihren Vortrag sehr lebendig, ging kompetent auf Zwischenfragen ein, etwa nach philosophischen Themen im Kinderbuch wie der Konfrontation mit Gut und Böse oder nach dem Nutzen der neuen digitalisierten Medien. Sie ist der Meinung, dass das Moderne durchaus sinnvoll parallel zu Altbewährtem genutzt werden kann, dass das frühe Literatur-Erkunden aber immer noch als gemeinsames Erlebnis zwischen Kind und Erwachsenem im persönlichen Dialog vollzogen werden sollte. Im Anschluss stand sie den skeptischen Besuchern ermunternd mit praktischem Rat beim Ausprobieren der übrigens nicht für alle interaktiven Medien kompatiblen „Tiptoi“- oder „Ting“-Lese-/Hörstifte zur Seite.

Einige Titel der erwähnten Literaturliste, die in der Gemeindebücherei noch im November ausliegt, stehen ab sofort zur Ausleihe bereit.

Zum Thema Vorlesen macht die Gemeindebücherei aufmerksam auf ihre Aktionen zum bundesweiten Vorlesetag am 18. November sowie auf eine Fortbildung für Vorleser und Menschen, die es werden möchten, mit dem Titel „Vorlesen – noch besser!“ am 28. Januar 2017.

Lennartz liest Literatur – Alles nur geklaut DIE VIERTE

Was unter anderem mit der „Ungarischen Schöpfungsgeschichte“ (Peter Hammerschlag) im Balkan-Dialekt begann, endete in einem „ur-öcher Ameröllche“ um einen „Schorittefeäjer“ im Original-Tonfall. Die Rede ist von einer Veranstaltung in der Gemeindebücherei Simmerath, die bereits Traditionscharakter hat: „Lennartz liest Literatur – Alles nur geklaut“. Die Rede ist des Weiteren von der allerletzten Zugabe des Abends, die vom Publikum hartnäckig gefordert wurde, nachdem es – wieder mal begeistert - den dargebotenen Kabinettstückchen aus Parodie und Kabarett über fast zwei Stunden gefolgt war.

Bereits zum vierten Mal präsentierte Thomas J. Lennartz seine Interpretation von Texten eines bunten Reigens an Autoren, die ihr Schreibwerk überwiegend in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts exzellent verstanden haben. Der humoristische Aspekt spielte wieder eine vorrangige Rolle, wenngleich Lennartz sich nicht scheute, innerhalb seiner feinsinnigen und wortgewandten Conference auch kritische Anmerkungen zum historischen Kontext oder zum aktuellen Zeitgeschehen hinzuzufügen.

Der gelernte Journalist und Lektor ist es gewohnt, gründlich zu recherchieren. In der Vorbereitung auf seine Programme steckt in der Regel über ein halbes Jahr Bücher-, Tonaufnahmen- und Internet-Wälzen. Vieles wird erwogen und wieder verworfen. Für Manches wird von der „Verwertungsgesellschaft Wort“ die rechtliche Genehmigung zum Vortrag nicht erteilt. Anderes hält auch schon einmal der Kritik seiner Ehefrau nicht stand. Oder es passt nicht an den roten Faden, der sich erst ganz allmählich durch den Programmentwurf zu ziehen beginnt. Dann wandert es auf jeden Fall in die Wiedervorlage für ein nächstes Mal.

Und so verwob Thomas J. Lennartz bei seinem aktuellen Auftritt Faden um Faden, beginnend mit einer Arbeitsanleitung zum Beziehen eines Polstersessels in feinstem Knubbel-Denglish, fortgeführt von einem missverstandenen Leitfaden über den gekonnten Umgang mit Fremdwörtern oder dem nicht enden wollenden Bandwurm des Tucholsky-Versuchs „Ein Ehepaar erzählt einen Witz“, welcher Unheil vorhersehend im selbigen endet.

Dem Thema „Humor am Rand der Notenlinien“  widmete Lennartz einen ausführlichen Abschnitt, etwa in zuweilen bissigen Betrachtungen zu Hausmusik und Oper sowie zur Rolle des „Kapellmeisters“, dessen leidvolles Los der von den Nationalsozialisten als jüdischer „Asphaltliterat“ beschimpfte Anton Kuh in der Zähmung von instrumentenbewehrten und rücksichtslos den Moment ihres Einsatzes auskostenden Orchestermitgliedern in Solo- oder Gruppenposition besteht. Um es auf den Punkt zu bringen: „Wenn die Opern dich umbrausen mit Getön, dann genieße auch die Pausen – sie sind schön“.

Als einer der parodistischen Höhepunkte der Darbietung des Simmerather Rezitators ist sicher das „Abendlied: Der Mond ist aufgegangen - Helmut Kohl liest Matthias Claudius“ von Dieter Hildebrandt hervorzuheben.

Auch mit einem Berufsgespenst im Prater auf der Geisterbahn, einer ostfriesischen, Briefe an ihren Sohn schreibenden Mutter oder dem modernisierten Schneewittchen, Whity genannt, machten die fast dreißig Zuhörerinnen und Zuhörer amüsante Bekanntschaft. Mit viel Applaus, aber auch der Bereitschaft zu konzentriertem Hinhören goutierten sie einen Abend voller Sprachwitz und Esprit aus der Feder von Schriftstellern und Künstlern wie - neben den bereits erwähnten – Alfred Polgar, Armin Eichholz, Roda Roda, Schobert und Black und Uta Klaus auf der einen und Thomas J. Lennartz‘ Eloquenz sowie Darstellungs- und Dialekttalent auf der anderen Seite.

Im vorweihnachtlichen Literaturcafé am 1. Adventssonntag wird Thomas J. Lennartz ein weiteres Mal in diesem Jahr zu erleben sein. Zusammen mit Hans Fabelje an der Gitarre wird er Nachdenkliches und Heiteres zur Weihnachtszeit lesen. Mehr dazu unter www.simmerath.de.

Literaturcafé „Tischlein deck dich – das Handwerk im Märchen“

Was ist ein Zirkelschmied? Warum wird der Schneider im Märchen so oft in der Verkleinerungsform genannt? Auf welche Bibelstelle im Alten Testament geht das „Das kalte Herz“ zurück?

Interessante Fragen, die sich im Literaturcafé „Tischlein deck dich – das Handwerk im Märchen“ der Gemeindebücherei Simmerath und der Freunde fürs Lesen auftaten und von Margret Hanuschkin beantwortet wurden. Mit der Literaturwissenschaftlerin und Journalistin aus Düren tauchten die Gäste in die Welt der Märchen und des traditionellen Handwerks ein. Denn hier gibt es selbstverständliche Verbindungen. Oft sind die Handwerker die Helden der Geschichten, ob sie nun Schneider(lein), Köhler, Drechsler, Koch oder Müller sind.

Sie waren zur Zeit der klassischen Märchenerzähler gesellschaftlich anerkannt. Werturteile wie „Handwerk hat goldenen Boden“ wurden geprägt. Dass ihr Weg zu dieser Anerkennung aber auch beschwerlich war, spiegeln die Märchen von Grimm, Hauff &Co sehr eindringlich. Viele ihrer Abenteuer und Prüfungen ereignen sich auf der Wanderschaft während ihrer Lehrjahre, in denen Schmalhans Küchenmeister war, in denen sie sich ihr Nachtlager mit anderen Handwerksburschen ärmlich teilen mussten.

Ihre Flucht aus Notzeiten waren für die Menschen vergangener Jahrhunderte ihre Geschichten , die sie sich am Feuer oder am Spinnrad erzählten. Dabei träumten sie sich weg, aus Klein wurde Groß, aus Arm wurde Reich, aus Bettlern, Spielleuten und Müllerssöhnen wurden Prinzen.

Margret Hanuschkin erzählte kurzweilig, fast leichtfüßig, sehr unterhaltsam und immer wieder im Dialog mit dem Publikum, das zum Teil sehr „märchenfest“ war und eigene Märchendeutungen aus der Kindheit lebendig werden ließ.

"Kinder experimentieren für Kinder"

"Kinder experimentieren für Kinder" hieß es in der Gemeindebücherei Simmerath und die dreizehnjährige Schülerin Jenny Jansen aus Rurberg zeigte Kindern im Grundschulalter Erstaunliches aus der Welt der Physik.

Was im Schulunterricht vielleicht etwas trocken rüberkommt, wurde an diesem Aktionsnachmittag sehr gelungen spielerisch verpackt.

Die kleinen Assistenten hatten viel Spaß am Ausprobieren und Herausfinden, etwa dass Salz schwerer als Pfeffer ist, wie sich Wasser, Feuer und Luft auf engem Raum zueinander verhalten und dass auch mal die eigene Turnhose herhalten kann, um eine elektrostatische Aufladung durch Reibung zu erzeugen.   

Nach den Sommerferien geht es beim Hör zu – mach mit-Programm unter dem Motto „Was Kinder wissen wollen“ weiter mit Alltags-Experimenten.

"Meine Krone in der Asche"

Lesung mit Hanna Zack Miley. „Ich habe lange gebraucht, um den Weg zur Vergebung und zur Befreiung vom Trauma der Vergangenheit zu gehen. Es dauerte Jahre, bis ich mich der Vergangenheit stellen und sagen konnte: Ja, diese Dinge sind mir wirklich passiert.“

Den Weg zu dieser heilenden Erkenntnis hat Hanna Zack Miley in ihrem Buch „Meine Krone in der Asche“ auf sehr beeindruckende Weise beschrieben.

Als Hannelore Zack, geboren in Gemünd, im Alter von sieben Jahren am 24. Juli 1939 Köln in einem Zug Richtung London verließ, wusste sie noch nicht, dass sie Teil des legendären „Kindertransports“ war, der 10.000 jüdische Kinder vor Hitlers Nazi-Regime rettete. Sie wurde gerettet, während Ihre jüdischen Eltern am 3. Mai 1942 in einem abgelegenen Waldgelände in Polen vergast wurden.

Wie sollte sie fertig werden, mit dieser „Schuld“, dieser ungelebten Trauer, dem Verlust von Identität?

Hanna Zack Miley erzählt von unmenschlicher Entbehrung, von Anfeindung und Hass. Ihre Kindheitserinnerungen verblassten allmählich. Umso mehr freute sie sich, dass sie bereitwillige Auskünfte von Zeitzeugen erhielt, als sie sich 2008 zu ihren Wurzeln in ihre Eifel-Heimat aufmachte. Der Schützenvereinskamerad ihres Vaters, Willi Kruff, das ehemalige Hausmädchen, Lisbet Ernst, oder die Nachbarsfamilie Schmitz geben ihr wertvollste Einblicke in ihr damaliges Zuhause in der Dreiborner Staße 174 in Gemünd. Man zeigt, was aus ihrer Kindheit übrig geblieben ist: ein Apfelbaum, der den schweren Bombenangriff überstanden hat. Hanna pflückt zwei Äpfel und ist zutiefst dankbar für jedes Puzzlesteinchen, das schließlich das Gesicht  und den Charakter ihrer Eltern, Amalie und Markus Zack, zu einem Gesamtbild formen.

So schwer ihr Leben auch war, so überragend vermittelt sie ihren Weg zur Heilung und Vergebung. Nicht zuletzt durch den Beistand ihres Mannes George und ihres neuen christlichen Glaubens erfährt sie, dass man Wahrheit aussprechen muss, sich selbst aber nicht zum Richter über Menschen und Umstände machen darf. Nur dadurch hat sie gelernt, loszulassen und ein von Selbstzweifeln und Hoffnungslosigkeit befreites Leben anzunehmen und als Glück zu empfinden.

Gemeindebücherei, der Ökumenische Arbeitskreis Simmerath und Peter Nießen als Mitarbeiter des „Glanzpunkt Eifel“ und als persönlicher Freund der Mileys hatten die Holocaust-Überlebende aus Phoenix, Arizona, die jährlich einige Monate in Dahlem lebt, eingeladen. In ihrer Lesung kombinierte Hanna Zack Miley  Erzählung und Textpassagen aus ihrem Buch sehr lebendig miteinander. Sie hatte ihr Publikum, über sechzig Frauen und Männer sowie einige jugendliche Zuhörer, aufmerksam im Blick und lächelte. Ja, sie lächelte trotz der grausamen Erinnerungen, was die Bewunderung noch verstärkte für die alte Dame, klein von Statur, aber groß in ihrem Beispiel, das sie nachfolgenden Generationen sein kann.

Rückblicke aus der Gemeindebücherei

Eine Brücke schwingt sich… Ein Eifel-Album

v.l. Rita Plum, Thomas J. Lennartz, Peter Stollenwerk

Fragt der Mann den Bauern: "Wenn ich jetzt über Ihr Feld laufe, erwische ich dann noch den 17-Uhr-Zug?" Erwidert der Bauer: "Wenn Sie auf meinen Bullen treffen, schaffen Sie sogar noch den Zug um 16:30." Diese Szene könnte sich in der Eifel abgespielt haben, oder? Obwohl es hier eher wenig Zugverkehr gibt. Was aber dazu einfällt, ist, dass sich der Eifeler doch im Grunde durch eine gewisse Bauernschläue auszeichnet. Davon hörten und sahen die zahlreichen Gäste des sonntäglichen Literaturcafés von Gemeindebücherei Simmerath und Förderverein noch Einiges mehr. Als Titel trug die Veranstaltung ein Zitat von Clara Viebig: "Eine Brücke schwingt sich, über die jeder gehen muss, der ganz verstehen will, was Eifel heißt." Büchereileiterin Rita Plum hatte die Brücke gebaut, eine Brücke zwischen Geschichten, Eindrücken, Anekdoten, Reportagen aus Vergangenheit und Gegenwart, allesamt geschrieben von Eifel-Autoren, und einer Auswahl von faszinierenden Fotos von Personen und Landschaften des Monschauer Landes.

Alle gingen mit über diese Brücke, indem sie heiter Skurrilem, aber auch Nachdenklichem und durchaus Ungewohntem lauschten, das vorgetragen wurde von Thomas J. Lennartz. Eine neue Herausforderung für den versierten Rezitator, der sich bisher mit seinen "Alles nur geklaut"-Programmen und weihnachtlichen Lesungen einen Namen gemacht hat, schwingt doch in den Geschichten der  Eifel-Autoren ein ganz spezieller, von der Landschaft geprägter Sprach-Ductus mit. Er meistert dies alles grandios, zieht alle Register seines sprachlichen und stimmlichen Ausdrucks. Er feiert die Natur und die Einsamkeit auf Ludwig Mathars "Wanderung" durchs Venn, eröffnet Ernest Hemingways Feuer der Wump Gun vor den Bunkern der Krauts im "Krieg an der Siegfriedlinie", erschafft Hubert vom Venns  leibhaftigen Harddrückejenesjenfonzeschäng und lässt ihn die "Kulturtage von Widdau" ausrufen, um nur drei Höhepunkte der Lesung anzuführen.

Das Publikum schmunzelt, wenn in Axel Kutschs Gedicht ein Hirsch Amok läuft und Clara Viebig sich – im Schneckentempo – ins Unterholz schlägt oder wenn von Jupp Hammerschmidts Klümpchensgläsern der Fastenzeit von früher die Rede ist und von der "Tofu-Werdung Christi" angesichts des Trends zum Vegetarismus von heute. Es leidet mit beim brutalen Kriegskampfgeschehen auf den Eifel-Höhen und findet Gefallen an Sätzen wie "In der Dämmerung sahen sie Rehe, die aus dem Wald zum Äsen auf die Lichtung kamen. Sie waren sehr scheu, eins blickte zum Haus hin. Jetzt, wo du da bist, habe ich keine Angst mehr, sagte Magena" in Norbert Scheuers Geschichte "Wald".

Bei der Zugabe lachen die Besucherinnen und Besucher herzhaft über einen Eifelindianer, dessen Kopfschmuck in die Mauser gerät. Und immer wieder staunen sie und schwärmen von den Bildern, die die Texte begleiten, jedes ein Kunstwerk für sich. Weißgetünchte Fachwerkhäuser, die sich hinter Buchenhecken ducken, ein erhobener Zeigefinger gegen menschlichen Größenwahn aus gesprengtem Bunkereisen vor stahlblauem Himmel, alte Menschen in alten Häusern und Werkstätten, beredte Zeugnisse aus schweren Zeiten, in denen jedes Ding seinen Wert hatte und behielt. Und immer wieder die Natur, fotografisch eingefangen in Baumgemälden, weiten Aussichten, Miniaturanschichten und Kuriositäten am Wegrand von Peter Stollenwerk. Alle kennen ihn, hat er doch seine journalistische Heimat in der Eifeler Lokalredaktion des Aachener Zeitungsverlags und setzt das Monschauer Land seit langer Zeit auf unnachahmliche Weise ins Bild.

Zum Schluss lobt jemand: "Das war eine runde Sache. Vor allem merkt man, da wurde viel Herzblut investiert." Da hatte er sehr recht.

Literaturcafé: Hans-Jürgen Siebertz liest aus seinem Buch "Wir Nachkriegskinder - Kindheit und Jugend im Monschauer Land"

© Pepe Fabelje

Das Buch hat er seinen Enkeln gewidmet „in der Hoffnung, dass auch sie eine so schöne Kindheit erleben können, wie sie mir vergönnt war“. Seine Freizeit widmet er der Heimatforschung. Enkel und Simmerather gleichermaßen können sich glücklich schätzen, dass es Hans Jürgen Siebertz gibt. Ohne ihn wäre längst nicht so bekannt, wie es zuging in der Eifel des vorigen Jahrhunderts. In insgesamt fünfzehn Büchern berichtet er davon. Viel Zeit und Arbeit hat er ehrenamtlich investiert, um das Erbe der Alten in die Zukunft zu tragen, sozusagen als Vermächtnis für die Jungen.

Gemeindebücherei und die Freunde fürs Lesen fanden dies Grund genug, den Lammersdorfer Geschichtsschreiber  zum ersten Literaturcafé 2016 einzuladen, um sein jüngstes Buch „Wir Nachkriegskinder – Kindheit und Jugend im Monschauer Land“ vorzustellen.

Hans Jürgen Siebertz wurde 1942 geboren und hat die Kriegs- und Nachkriegsjahre im wahrsten Sinne des Wortes am eigenen Leib erfahren. Da herrschten Not und Entbehrung, aber auch ein unerschütterlicher Erfindergeist. Die Kinder und Jugendlichen litten unter Hunger und militärischem Drill, dessen Vokabular sich bis in ihre Elternhäuser und in ihre Erziehung schlich. Auf dem Schwarzmarkt wurden sie viel zu früh erwachsen. Andererseits erklärten sie die Trümmerfelder entlang des Westwalls zu ihren Abenteuerspielplätzen, lebten mit der Natur, waren Sammler, Leseratten, waren trotz bescheidener Lebensverhältnisse fröhliche Kinder und schließlich „halbstarke“ Jugendliche.        

Insgesamt eine Kindheit zwischen Licht und Schatten, stark geprägt von den Werten und Vorbildern der nationalsozialistischen Ideologie, den ländlich bäuerlichen Notwendigkeiten, die Kinder zu Arbeitskräften erklärten, geprägt auch von den Lehren der katholischen Kirche. Kein Tag ohne Morgen-, Mittags- und Abendgebet, keine Wohnung ohne Schutzengelbild, kein Brot wurde angeschnitten, ohne vorher das Kreuzzeichen darüber zu schlagen. Wenig christliche Nächstenliebe erfuhren dagegen die evangelischen Flüchtlingskinder. Mit ihnen durfte man nicht spielen, und tat man es doch, garantierte diese Straftat einen Aufenthalt im häuslichen Rattenkeller.

Hans Jürgen Siebertz beschreibt dies alles sehr akribisch und versteht es, die Vergangenheit, auch anhand von Zeichnungen seiner Tochter Wibke Debuch, vor Publikum lebendig werden zu lassen. Er spricht ruhig, unaufgeregt, wähnt sich unter Freunden, Gleichgesinnten. Er erzählt mit dem Abstand vieler Jahre und wird doch an mancher Stelle des Vortrags zum kleinen Jungen, der oft genug Bekanntschaft mit dem tanzenden Kochlöffel machte, der für sein Leben gern Cowboy und Indianer spielte, der mit elf Jahren die herbe Erfahrung machen musste, zu alt für eine geschenkte Scheibe Wurst beim  Metzger zu sein.

Die zahlreichen Gäste des sonntäglichen Literaturcafés wussten, wovon Hans Jürgen Siebertz sprach. Sie fügten die eine oder andere Anekdote hinzu und lachten herzhaft, weil sie nachfühlen konnten, wie unangenehm der Gang zum furchtbar stinkenden Klohäuschen besonders in kalter Winternacht war, wie ekelhaft er die alljährliche Hausschlachtung empfand und wie peinlich den verhassten „Diener“ zur Begrüßung von Erwachsenen. Was die Mahnung „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ bedeutete, oder welche männlichen Fluchtinstinkte der Ausruf „Damenwahl“ beim Kirmesball auslöste, war dem Publikum ebenfalls noch in bester Erinnerung.

Im nächsten Literaturcafé am 10. April um 16:00 Uhr wird ein weiteres Eifel-Album unter dem Titel „Eine Brücke schwingt sich…“ aufgeschlagen. Thomas J. Lennartz liest heiter skurrile und nachdenkliche Texte von Eifel-Autoren. Kunstvoll bebildert wird die Veranstaltung mit Fotos von Peter Stollenwerk. Mehr unter www.simmerath.de.

© Pepe Fabelje

Adventliches Literaturkonzert in der Gemeindebücherei

© Pepe Fabelje

Eigentlich ist ja alles gesagt über Schnee, alles geträumt unterm Baum. Und doch klingelt es an Kalendertürchen, alle Jahre wieder. Und doch wird man verzaubert von alten und neuen Geschichten, von alten und neuen Liedern, die unsere Vorfreude auf das Fest der Feste von Woche zu Woche im Advent steigern.

Gelegenheit dazu bekam man im letzten sonntäglichen Literaturcafé dieses Jahres, das Bücherei und Förderverein der Gemeindebücherei Simmerath e.V. besonders gemütlich hergerichtet hatten. Bei Kaffee, Tee und Gebäck ließ es sich nett miteinander plaudern und aufs eigentliche Programm des Nachmittags einstimmen. Dieses Programm lag in den Händen von Thomas J. Lennartz und Hans Fabelje.

Thomas J. Lennartz begeistert seit geraumer Zeit erwachsene Zuhörer mit der Bandbreite seiner stimmlichen Möglichkeiten und seiner feinen Sprachmelodie. Es ist einfach ein Ohrenschmaus der besonderen Art, dem Herz und Hände des Publikums anhaltend Beifall klatschen.

Aber auch die Auswahl seiner Texte fesselt immer wieder aufs Neue. Sein aktuelles Weihnachtsprogramm leitet er ein mit drei heiter-ironischen Stücken. Das erste Szenario widmet er allen Menschen, die sich auf der Flucht befinden und die der Behördenwillkür ausgesetzt sind. Es geht etwa um die dpa-Eilmeldung: „Säugling in Stall gefunden – Polizei und Jugendamt ermitteln. Schreiner aus Nazareth und unmündige Mutter vorläufig festgenommen.“ Dabei stellt er die Frage „Was, wenn Weihnachten heute stattfinden würde?“ Die Antwort darauf fällt leider nicht besonders ermutigend aus.

© Pepe Fabelje

In „Weihnachten im Oktober“ aus der Stenkelfeld-Reihe bleibt das Lachen an mancher Stelle im Hals stecken und einem kann angst und bange werden angesichts der fast militanten Werbefeldzüge unter der Überschrift „Weihnachten bis zum Äußersten“, die sich die großen Supermarktketten alljährlich kurz nach der Sommerpause liefern. Auch in „Merry christmas allerseits“ wird unter anderem der Weihnachtskaufrausch thematisiert. In schönstem Denglisch heißt es dort z.B.: „Every Parkhaus ist besetzt, weil die people fahren jetzt all to Kaufhof, Mediamarkt, kriegen nearly Herzinfarkt, shopping hirnverbrannte things and the Christmasglocke rings.”

Wie rührend und beruhigend ist es, danach weihnachtlichen Kindergeschichten wie “Pelle zieht aus” von Astrid Lindgren und “Melvins Stern” von Nathan Zimelmann sowie der Erzählung “Pasteten im Schnee” von Beatrice Schenk de Regnier zu lauschen. Elterliche Gedankenlosigkeit, die sich in Traurigkeit und Wiedergutmachung wandelt sowie das Vertrauen darauf, dass für die ganz Kleinen und Unbedeutenden unverhofft doch noch die große Stunde schlägt, sind letzten Endes tröstende Weihnachtsbotschaften.

Hans Fabelje ist kein Neuling in der Bücherei, gestaltete er doch den musikalischen Teil der Langen Nacht der Bibliotheken in diesem Jahr und konnte dabei mit seinem Gitarren-Spiel die Zuhörer beeindrucken. Die adventliche Lesung brachte er mit Musik aus der ganzen Welt zum weihnachtlichen Klingen. Verträumt klang es bei „El Farol“ von Carlos Santana, romantisch im  „Song Not Forgotten“ von David Qualey und sehr spannungsgeladen bei „Milonga“  von Juan Buscaglia, um nur ein paar seiner wohlausgewählten Titel zu nennen. 

Die beiden Akteure sind ein gutes Team und ihre Zusammenarbeit bereitet ihnen sichtlich Spaß. Der wiederum überträgt sich auf die Zuhörer, die sich auch diesmal Zugaben wünschten und mit viel Applaus bedankten.

Lennartz liest Literatur: Alles nur geklaut – Die Dritte

Die Gemeindebücherei Simmerath hatte ein kleines Jubiläum zu feiern: bereits zum dritten Mal Thomas J. Lennartz mit eigenem Programm. Büchereileiterin Rita Plum begrüßte „ihren“ Vorleser, der sich vor ein paar Jahren „beworben“ hatte und gleich mit seinem Part bei „Hör zu – mach mit“ für Kinder und Jugendliche zum ehrenamtlichen Einsatz gekommen war. Schon bald hatte sich herausgestellt: er kann mehr. Zunächst reichte er Literaturhäppchen für Erwachsene und startete schließlich 2013 sein erstes eigenes Programm „Lennartz liest Literatur: Alles nur geklaut“, 2014 das zweite und nun die Premiere der dritten Auflage.

Wieder waren es kabarettistische und parodistische Texte, diesmal von Italo Calvino, Daniel Glattauer, Georg Kreisler, Helmut Qualtinger, Thaddäus Troll, Torsten Sträter und einigen mehr, die Thomas J. Lennartz auf seine ganz eigene Art interpretierte. Aber auch zwei eigene Stücke präsentierte er und setzte sich darin u.a. humorvoll kritisch mit Dr. Eckart von Hirschhausens Ansichten zur Homöopathie auseinander.

Die erste Hälfte des Programms stand unter der Überschrift Gesundheit, Krankheit und Vorsorge. Das eher unangenehme Thema, mit dem jeder der Zuhörer bereits konfrontiert wurde, sprühte aber vor Witz und fast schon Galgenhumor. Es gipfelte schließlich in den Untiefen einer Darmspiegelung als „Reise ins Ich“, verbunden mit dem Appell, sich ihr trotz aller entwürdigender Nebeneffekte zu unterziehen. So etwas kann niemand treffender beschreiben als der Ruhrpottkabarettist Thorsten Sträter. Dass dieser den Text exklusiv für ihn zum Vortrag freigegeben hat, erfüllt Thomas J. Lennartz mit großem Stolz.

Nach der Pause erfuhr man mehr über das ewige Thema „Mann und Frau und Kind“. Es gab Antworten auf die Fragen, warum und wie Frauen Männer abblitzen lassen und warum manche Kinder so schwer Deutsch lernen. Das Publikum tauchte dabei schmunzelnd bis laut lachend ein in die Ära des Kevinismus und des Chantalismus. Zum Schluss dozierte Lennartz  augenzwinkernd über das Mysterium Elektrizität im Allgemeinen und die Frage „Wohin geht sie, nachdem sie den Toaster verlassen hat?“ im Besonderen. Danach wurde die schon immer heimlich gehegte Vermutung zur Gewissheit: Strom muss dünn sein muss, sonst würde er ja nicht durch derart dünne Kabel fließen können. Logisch.

Thomas J. Lennartz liest vor, rezitiert, proklamiert fremde sowie eigene Texte und nutzt gekonnt alle Farben der Stimm-Palette von sanft säuselnd bis derb polternd, Dialekt- und Gesangseinlagen inklusive. Er beherrscht die Kunst der animierenden Überleitung. Die Hintergrundrecherche verrät seine journalistische Heimat, die persönliche Einschätzung seine Liebe zum geschriebenen und gesprochenen Wort. Zwei Stunden ganz großes Literaturkino!

Beim nächsten Literatur-Café der Gemeindebücherei am 29. November ist Thomas J. Lennartz ein weiteres Mal zu erleben. Zusammen mit Hans Fabelje an der Gitarre liest er Adventliches und Weihnachtliches.

Literaturcafé mit Ruth Richter

Eifel. Heftige Regenschauer. 14 Grad. "Genau das richtige Wetter zum Träumen; vielleicht  von einem Sommer auf der Alm?", sagten sich viele und besuchten das sonntägliche Literaturcafé von Bücherei und Förderverein der Gemeindebücherei Simmerath.

Mehr als vierzig Gäste fanden nach kurzfristigen Anbaumaßnahmen Platz zum Plaudern bei Kaffee, Tee und leckerem Selbstgebackenen. Und dann erzählte Ruth Richter aus Roetgen-Rott von ihrem großen Abenteuer auf der Stumpfalm im Gsieser Tal in Südtirol. Darüber hat sie ein Buch geschrieben, das sie "Wo die Riesen schlafen gehen" genannt hat. Sie las aus ihren tagebuchartigen Aufzeichnungen vor und  zeigte stimmungsvolle Lichtbilder, die das Publikum zu Kommentaren animierten wie "Das ist ja Idylle pur" oder "Da ist die Welt noch in Ordnung." Dass dies stimmt und manchmal auch nicht und was es mit dem Buchtitel auf sich hat, führte die Autorin in äußerst kurzweiligen anderthalb Stunden aus.

Wer Ruth Richter bei ihren Vorträgen erlebt, lernt sie als eine sehr bodenständige, menschenfreundliche und naturbegeisterte Frau im Dirndl kennen, die schon immer wusste, was sie wollte. Aber für manche Lebensträume musste die Zeit erst reifen. Als ausgebildete Hauswirtschafterin und Altenpflegerin entschloss sie sich 2006 umzusatteln auf eine selbstständige Tätigkeit als Naturführerin. Bevor sie startete, nutzte sie die freie Zeit von drei Monaten, um sich ihren Traum von einem Sommer als Sennerin zu erfüllen.

Sie hatte im November 2005 eine Anzeige im Gsieser Gemeindeblatt aufgegeben, und nach einem Vorstellungsbesuch erhielt sie die Zusage von der Bauernfamilie Burger. So froh die Bäuerin auch war, eine "Fremde" für ihre Alm gefunden zu  haben, so skeptisch war der Bauer, dass Eine ohne einschlägige Erfahrung in der Landwirtschaft des Hochgebirges dieser Herausforderung gewachsen wäre.

Doch Ruth Richter stellte sich der Herausforderung;  mit Erfolg. Sie bewirtschaftete die Hütte, zauberte auch für unangemeldete Gäste immer etwas Essbares auf den Tisch, stampfte Butter, machte Käse, beaufsichtigte die jungen Hirten, hütete das Vieh und versorgte vier Kälber, die im Sommer 2006 auf fast 2000 Metern Höhe zur Welt gekommen sind.

Gleichwohl, einfach war’s nicht für die Eiflerin, und sie nahm gern Hilfe ihrer Familie an, die die Gelegenheit nutzte, Alm- Urlaub zu machen. Letztlich veranlassten  ihre mangelnde Furcht vor harter Arbeit, ihre Liebe zur Natur und zu den "Viechern", wie sie "ihre" Kühe liebevoll nannte, Franz Burger am Ende zu einem Lob der besonderen Art: "Mit dir und deiner Familie kann man ja einen Krieg gewinnen."

Der Abschied nach drei Monaten auf der Alm mit dem fantastischen Blick auf die umliegenden Bergspitzen, die aussehen wie Riesen, die sich schlafen gelegt haben, fiel natürlich schwer. Doch Ruth Richter besucht die Burgers bis heute regelmäßig, um die entstandene Freundschaft aufrecht zu erhalten.

Sie gerät immer noch ins Schwärmen, und das Zuhören macht Lust auf weitere Begegnungen mit ihr; etwa bei Reisen oder Wanderungen, über die man mehr unter www.naturerlebnisse.com erfährt.

Das Bücherei-Publikum war sehr beeindruckt und bedankte sich mit herzlichem Applaus.

Literaturcafé mit Christiane Wünsche

Campingplatz "Eifelwind": hört sich an nach Urlaub, Erholung, Naturerlebnis. Was diese Idylle trüben könnte, wären Bauarbeiten, polizeiliche Ermittlungen und jede Menge Stress. Leider gibt’s davon ausgerechnet vor Pfingsten mehr als genug; nicht zuletzt nach dem Fund einer Kinderleiche.

Jule Maiwald, Betreiberin des Campingplatzes, ist zum Glück mit einer guten Spürnase ausgestattet, sodass ihre eigenen Nachforschungen, die bis in die Zeit der letzten Kriegsjahre reichen, die Lösung des Kriminalfalls schneller herbeiführen, als die der Polizei. Bis es allerdings dazu kommt, fließt noch einiges Blut und der Leser bangt ein ums andere Mal um Leib und Leben der Protagonisten. Jedenfalls ist der Plot zu Christiane Wünsches gleichnamigem Krimi alles andere als "kinderleicht".

Geschickt verknüpft die Autorin aus Kaarst in ihrem zweiten Krimi um Jule Maiwald verschiedene Erzählstränge miteinander, blickt in die Psyche der Täter, von denen es gleich mehrere gibt, und erzeugt knisternde Spannung. Dies gelingt ihr auch bei ihren Lesungen, wie zuletzt im Literaturcafé der Gemeindebücherei Simmerath. Die szenische Umsetzung gelingt nicht nur durch ihren lebhaften Vortrag, sondern ebenso durch eine Kulisse mit Wohnwagenabbildung im Hinter- und Totenschädel im Vordergrund sowie durch eine besondere musikalische Untermalung.

Harry Meschke ist diesbezüglich ihr Partner. Er stimmte die Lesung sehr eindrucksvoll auf dem "Hang" ein, einem Schweizer Instrument, das auf den ersten Blick aussieht wie ein großes Luftkissen aus Metall. Es wird mit Fingern, Händen, Nägeln, oder der Faust gespielt.

Noch außergewöhnlichere Klänge, die jeweils die einzelnen Lesungsabschnitte markierten, erzeugte der Musiker auf seinem Aquaphon. Sie erinnerten an Rufe von Walen und reichten beispielsweise im Zusammenhang mit dem Buch-Prolog, in dem der Leser von einem Kind erfährt, das offenbar in einer Art Verlies vor sich hinvegetiert, bis an die Schmerzgrenze des Zuhörens. Das Publikum war dennoch davon sehr angetan und wollte am Schluss unbedingt mehr über dieses Instrument wissen, das mithilfe von Metall und Wasser sehr obertonreiche Klänge erzeugt.

Viel Applaus gab es schließlich für zwei routinierte Künstler, die Literatur und Musik zu einem nachhaltigen Erlebnis machten.

Das nächste Literaturcafé findet statt am Sonntag, dem 16. August, und zwar mit Ruth Richter aus Roetgen-Rott. Sie wird von ihrem Sommer auf der Alm erzählen und ihr Buch "Wo die Riesen schlafen gehen" vorstellen.

Literaturcafé mit Kurt Lehmkuhl

„Mann, Mann, Mann, hier ist heute wieder was los!“, so würde Ex-Kommissar Böhnkes Kollege Schäffer vom Polizeirevier Hengasch in ähnlicher Situation womöglich lamentieren. Denn in Huppenbroich, dem beschaulichen Ortsteil von Simmerath, ist tatsächlich jede Menge los. Und dabei lassen wir Pferde- und Hamstersegnung mit großer Prozession durch die wunderschöne Eifellandschaft einmal ganz außer Acht. Genau diese malerische Idylle  wird gerade durch die Errichtung einer Thuja-Hecke auf Schmitze Billas Grundstück verschandelt. Geht gar nicht! Eine Unverfrorenheit!, finden die Huppenbroicher So sehr sie sich jetzt - mit gehöriger krimineller Energie übrigens – dagegen engagieren, so wenig haben sie sich um Schmitze Billa gekümmert. Nun ist es zu spät, nun ist sie nämlich tot.

Doch sie ist nicht die einzige Leiche bzw. Beinah-Leiche in Kurt Lehmkuhls neuestem Krimi „Fundsachen“. Nachdem der pensionierte Kriminalhauptkommissar Rudolf-Günther Böhnke den verzweifelten Walter Frosch vor einem Selbstmord bewahrt hat, sieht er es als seine Pflicht an, ihm zu helfen: Frosch wird um 500.000 Euro erpresst. Und da gibt es noch den Toten im Venn…

 

Kurt Lehmkuhl war bereits zum dritten Mal zu Gast in der Gemeindebücherei. Er wie auch sein Kommissar Böhnke schauen als Wahl-Huppenbroicher den Simmerathern ganz genau aufs Maul, ob das nun gefällt oder nicht. „Fundsachen“ ist der sechste Fall für seinen Aachener Exkommissar, ein wieder mal spannender Plot, der gleich drei Handlungsstränge sehr geschickt  und verblüffend zufällig zusammenführt. Lehmkuhl schreibt fein akzentuiert, was seine journalistische Heimat als Redakteur beim Zeitungsverlag Aachen verrät, stets gepaart mit leisen Prise Ironie und Humor.

Mit dieser Lesung feierten Gemeindebücherei und Förderverein in ihrem gut besuchten Literaturcafé bei Kaffee, Tee und Gebäck den Welttag des Buches, der sich in diesem Jahr zum 20. Mal jährt. Als eine würdige Verbindung zur Internationalität dieses Ereignisses erschien beim anhaltenden Schlussapplaus die Tatsache, dass kein geringerer Fleck auf Erden als eben Huppenbroich für einen Nachmittag den Nabel der Welt darstellte.

Nacht der Bibliotheken


Reges Treiben herrschte in der Gemeindebücherei anlässlich der Nacht der Bibliotheken. Mehr als 120 Besucher, Entleiher und neue Leser  wurden in sieben Stunden gezählt. Sie nutzten zusätzlich eingerichtete Sitzplätze zum Schmökern, erhielten Informationen  zur Nutzung der Online-Angebote, lauschten bei Getränken, Süßem und Herzhaftem Hans Fabeljes herrlich leichter Gitarrenmusik und abwechslungsreichen Literaturhäppchen.


In gewohnt professioneller Manier trug Thomas J. Lennartz diese vor und spannte den literarischen Bogen so weit wie das Leben und letzten Endes auch wie das Angebot einer Bibliothek: von sehr ernst bis komisch-heiter. Alles in allem ein besonderer Tag und ein gemütlicher Abend im Jahreslauf der Gemeindebücherei.

„Worüber das Christkind lächeln musste…“

„Jetzt kann Weihnachten kommen!“, so das Resümee des Publikums nach einem heiter besinnlichen Literaturkonzert am Sonntagnachmittag mit Thomas J. Lennartz und Vooks in der Gemeindebücherei Simmerath.

Thomas J. Lennartz, Journalist, Marketingfachmann und Lektor hat sich bereits als Wortvortragskünstler im besten Sinne mit seinen Soloprogrammen „Alles nur geklaut“ einen Namen gemacht. Vooks® -Musik wird in diesem Tagen zehn Jahre alt und  steht für klaren Soprangesang und vielseitige Instrumentalbegleitung, die sich immer ein wenig irisch anhört. Über das Thema Weihnachten haben die Beiden zusammengefunden und weckten anlässlich ihrer ersten gemeinsamen Veranstaltung „Worüber das Christkind lächeln musste…“ viel Vorfreude auf das Fest.

Schließlich taten es die Gäste im adventlich hergerichteten und bis auf den letzten Platz gefüllten Büchereicafé dem Christkind gleich, und das nicht nur als die gleichnamige Geschichte von Karl Heinrich Waggerl vorgelesen wurde. Nicht das Kind in der Krippe, sondern ein gewitzter Floh spielt im Stall zu Bethlehem ausnahmsweise einmal die Hauptrolle.

Vom Lächeln zum Lachen gelangten die Rückmeldungen des Publikums auf die beiden Stücke aus der „Stenkelfeld-Reihe“ von Harald Wehmeier und Detlev Gröning. Während es in „Advent, Advent – ein Kraftwerk brennt“ um den alljährlichen Nachbarschaftswettbewerb um die aufwändigste Haus- und Grundstücksillumination geht, die unweigerlich in der Energiekatastrophe enden muss, sagen in „Advent im Seniorenheim“ die Alten den Jungen und den vermeintlich Berufenen den Kampf an, um sich gegen die verordnete Weihnachts-Berührung und -Bespaßung zu wehren.

Doch Thomas J. Lennartz wäre nicht der Profi, der er ist, wenn er nicht verstände, Heiteres, mit Traditionellem, Traurigem und Anrührendem in einer gelungenen Reihenfolge zu kombinieren. So standen eben neben satirischen Texten auch Hans Christian Andersens Märchen vom kleinen Mädchen mit den Schwefelhölzern und die Weihnachtsgeschichte nach Lukas und Matthäus auf dem Programm  sowie die „absolute Lieblingsgeschichte“ des ehrenamtlichen Vorlesers der Gemeindebücherei.

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„Pasteten im Schnee“ heißt sie und wurde von Beatrice Schenk de Regniers geschrieben. Mit schlesischem Akzent gekonnt unterlegt lud Lennartz seine Zuhörer mit ein ins kleine alte Haus des kleinen alten Mannes und seiner kleinen alten Frau, die so gern ein richtiges Fest feiern möchte. Aber weder Gäste noch „ein Krüstchen Brot oder ein Krümchen Kuchen“ sind vorhanden. Da übernimmt ein Schneesturm die Bescherung und schließlich wird es ein Fest, das den vielen, vielen im kleinen alten Haus Gestrandeten und seinen Besitzern für immer in Erinnerung bleiben wird.

Diese emotionale Vielseitigkeit des gesprochenen Wortes musikalisch zu begleiten, war zugegebenermaßen eine Herausforderung. Vooks® nahm sie an und berührte auf ihre Weise. Traditionelles wie „Maria durch ein Dornwald ging“ oder „Stille Nacht“, zum Teil von ihr selbst neu arrangiert, und eher Unbekanntes „In the bleak Midwinter“ oder „Er is een kindeke geboren op d’aard” gesungen und auf Dulcimer, Querflöte oder Akkordeon virtuos gespielt, ergänzte die Literatur sehr harmonisch und einfühlsam.

Der lange Applaus wurde wiederum mit den Zugaben "Die Geschichte eines Pfefferkuchenmannes“ von Jean Paul und einem Akkordeon-Kanon für alle belohnt, der die Stimmung beim Nachhausgehen trefflich beschrieb: „Oh wie wohl ist mir am Abend!“.

Der Kaffee ist fertig! Interessantes und Kurioses über Kaffeehäuser, Kaffeegenuss, Kaffeekränzchen & Co

Der Kaffee kommt aus dem arabischen Raum und das Wort bedeutet ursprünglich nichts anderes als „anregendes Getränk“. Das wissen viele von uns. Dass der Kaffee in der feinen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts durchaus gern kalt getrunken wurde und dies heutzutage auch wieder chic ist, haben wir auch schon mal gehört. Dem Irrtum aber, dass das erste deutsche Kaffeehaus  in Wien eröffnet wurde, erliegen wir dagegen schon eher.

Gut, dass es Veranstaltungen gibt, wie „Der Kaffee ist fertig!“, zu der Bücherei und Förderverein der Gemeindebücherei Simmerath e.V. am Sonntagnachmittag eingeladen hatten. Als Kennerin des Themas erzählte die Journalistin und Autorin Margret Nußbaum von Kaffeeverkostungen, Kaffeesommeliers und über den Beruf des „Barista“, einem Barkeeper für Kaffee-Halbautomaten.

Geradezu ein Pflichtprogramm in diesem Zusammenhang war die humorvolle Skizzierung des weiblichen Kaffeekränzchens als gesellschaftliche Institution zum Austausch von Klatsch und Tratsch, wobei auch ein Abstecher zum männlichen Pendant – dem Stammtisch – nicht fehlten durfte. Musikalisches, Geschichtliches und Politisch Unkorrektes  rund um Fach- und Kraftausdrücke der Kaffeesprache flossen in diesen kurzweiligen und appetitlichen Vortrag ebenso ein wie ironische Seitenhiebe auf den Hype um Latte & Co, stylische Kaffeemaschinen, Kapseln und Milchaufschäumer. Dennoch stand am Ende der Wunsch: Ach wär ich nur ein Kaffeeautomat, dann würde ich jeden Morgen freundlich begrüßt, genösse alle Aufmerksamkeit meines Gegenübers und würde mehrmals täglich gedrückt.

Und das Publikum? Dem hat’s gefallen. Es machte mit und war sogar an mancher Stelle zum Mitsingen aufgelegt. Sicher hatte dies etwas mit der gelungenen Verwandlung der Bücherei in ein Café zu tun, in dem die Gäste mit einigem Augenschmaus sowie Selbstgebackenem und natürlich Kaffee verwöhnt wurden.

Schule des Hörens in der Gemeindebücherei Simmerath

Profierzähler, Kinder und Jugendliche begegnen einander – die ersteren berichten über die großen und kleinen Dinge des Lebens – die letzteren lauschen: gespannt, gebannt, lachend, fragend. Es gibt keine Requisiten, keine Bühnenbilder: nur die Geschichte, den Erzähler, die Zuhörer. Das ist die Schule des Hörens, mit der die renommierte Erzählerin Regina Sommer aus Aachen bereits seit Jahren den „normalen“ Schulalltag bereichert.

Zum wiederholten Mal war sie in der Gemeindebücherei zu Gast und erzählte vor Schülerinnen und Schülern der Offenen Ganztagsschule Simmerath Geschichten, in denen es um Tiere, Hexen und Einfallspinsel ging. Begleitet von enormem Körpereinsatz und Stimmakrobatik der Künstlerin fanden die Geschichten mühelos in Ohren, Mund und Füße der Kinder.

Den Anflug und die Landung der Hexe Baba Jaga etwa, die in der hühnerbeinigen Hütte im Wald lebt, einen Zwerg nach mehrmaligem Versuch erwischt, ihn dann doch nicht verspeisen kann, intonierten die Kinder routiniert. Häufiges Kichern und ungläubiges Stöhnen des jungen Publikums erfüllte die Bücherei, als vom einfältigen Jack die Rede war, der die Hälfte seines Lebens im Bett verbringt und trotzdem am Ende König von England wird. Und der Impuls für die Erzählung von der Verteilung der Schwänze bei den Tieren, in der der Löwe eine Hauptrolle spielt, kam von einem Schüler, der nach dem Mittagessen befragt vom hastigen Essen, das mit „Fr“ beginnt, berichtete.

Wieder einmal wurde genau das Ziel der Schule des Hörens erreicht: das Gelingen einer Verbindung von akustischer und sozialer Wahrnehmung mit eindrucksvoller künstlerischer Umsetzung auf der einen und spontaner, begeisterter Rückmeldung auf der anderen Seite. Dass dies irgendetwas mit Schule zu tun hatte, war dabei nicht zu spüren.