1.500 Hektar Gemeindewald werden aus der Luft gekalkt

Ein faszinierendes Schauspiel gibt es derzeit über dem Simmerather Gemeindewald zu sehen. Denn dort werden vom Hubschrauber aus 1.500 Hektar Wald mit insgesamt 4.500 Tonnen gekalkt.

Pro Ladung werden rund 900 Kilo Kalk hoch über den Baumwipfeln abgeworfen und verteilt. Die präzise GPS-Navigation an Bord des Hubschraubers sorgt dafür, dass der Kalk dorthin gelangt, wo er benötigt wird. Das weiße Gut stammt aus einem Steinbruch und ist frei von chemischen Zusätzen. Mit Sattelzügen wird der Kalk angeliefert und an den strategisch gut gewählten Start- und Landeplätzen des Hubschraubers mit einem Radlader umgefüllt. Außerdem steht in der Nähe ein Tanklaster bereit, damit der Hubschrauber einmal pro Stunde aufgetankt werden kann, erklärte Forstwirtschaftsmeister Alexander Mießen.

Diese Bodenschutzkalkungsmaßnahme wird von der EU gefördert und dient der Vitalisierung des Waldes. „Stickoxide und Schwefeldioxide aus der Luft gelangen über den Niederschlag auf die Böden und lassen sie versauern. Der Boden kann aber nur bestimmte Säuremengen auffangen. Wenn der Säureanteil steigt und der PH-Wert deshalb zu niedrig ist, werden Nährstoffe ausgewaschen, toxische Schwermetalle werden ausgespült und gelangen ins Grundwasser oder werden von den Pflanzen aufgenommen“, erklärte Gemeindeförster Dietmar Wunderlich. Der Boden könne dann weniger Wasser aufnehmen, was wiederum schneller zu Trockenschäden im Wald führe. Auch sinke die Aktivität der Bodenlebewesen, die den Humus zersetzen. Im Vorfeld der EU geförderten Maßnahme, die insgesamt rund 420.000 Euro kostet und wovon die Gemeinde Simmerath 170.000 Euro übernehmen muss, wurden 62 PH-Messungen im Gemeindewald vorgenommen.  Bei gesunden Böden liegt der PH-Wert zwischen 4,5 und 7,5. Ab einem PH-Wert unter 4,2 wird eine Kalkung dringend empfohlen. Im Gemeindewald in Simmerath lag der PH-Wert bei knapp unter 3,8 und machte eine Kalkung notwendig. Ausgenommen von der Maßnahme sind übrigens Naturschutzgebiete wie das Wollerscheider Venn. Hier soll das typisch saure Milieu erhalten bleiben, da wäre eine Kalkung eher kontraproduktiv, so Wunderlich.

Die Kalkungsmaßnahme wird bei entsprechenden Witterungsbedingungen noch ca. vier Wochen dauern. „Wir informieren mit Warnbaken und Wegsperrungen über die Maßnahmen im Wald“, so Forstwirtschaftsmeister Alexander Mießen“, „die Wege müssen zwischen einem und maximal drei Tagen gesperrt werden und sind danach wieder begehbar.“ Der Kalk ist übrigens für Mensch und Tier ungefährlich. Nachdem die Waldgebiete zwischen Strauch, Steckenborn und Schmidt überflogen sind, geht es weiter nach Lammersdorf.

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